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Kongressbericht 2017

Am 23./24. März 2017 fand in Berlin der 12. Deutsche Verpackungskongress statt. Rund 120 Führungskräfte aus der Wertschöpfungskette der Verpackung waren der Einladung des Deutschen Verpackungsinstituts (dvi) gefolgt und diskutierten neue Wege für Unternehmen, für den Vertrieb und die Verpackungsentwicklung. Der zweite Kongresstag bot Workshops zu den Themen Verkauf, Pricing und Compliance.

Tiefe Einblicke erlaubte auch die Abendveranstaltung des Netzwerkgipfels im Berliner Aquarium. Der nächste Verpackungskongress findet am 22./23. März 2018 in Berlin statt.

Vorträge - Workshops - Abendveranstaltung

Neue Wege für Unternehmen

Klaus Madsen | Managing Director | Schur Pack Germany GmbH
Klaus Madsen

Was kann man mit 80 Millionen Euro machen? Zum Beispiel „Europas modernste Faltschachtelfabrik“ bauen. Von dieser Erfahrung berichtete Klaus Madsen, Managing Director der Schur Pack Germany GmbH. Die dänische, familiengeführte Verpackungs-Holding Schur hatte bei dem futuristisch wirkenden Bau vor allem auf einen „optimierten Materialfluss und einen sehr niedrigen Carbon Footprint“ geachtet, so Madsen. Auch die Zahl der benötigten Arbeitskräfte konnte im Vergleich zum alten Werk deutlich gesenkt werden. Ein entscheidender Grund für die Standortwahl im Mecklenburgischen Gallin war nach Aussage des Managing Director die flexible und unbürokratische Unterstützung durch das Land Mecklenburg Vorpommern gewesen.

Martin Gercke | Vice President Technical Customer Service | Stora Enso
Martin Gercke

Martin Gercke, Vice President Technical Customer Service bei Stora Enso, stellte im Anschluss die Transformation des finnisch-schwedischen Papier- & Kartonproduzenten zu einer „renewable materials company“ vor. 1288 im Bereich Kupferbergbau gegründeten, produziert das Unternehmen heute aus dem Rohstoff Holz eine ganze Reihe innovativer Materialien für unterschiedlichste Anwendungen, vom Einsatz mikrofibrillierter Zellulose (MFC) beim Flüssigkarton über Stoffe aus Hemicellulose und Lignin für den Einsatz z.B. bei Bekleidung sowie Haus- und Fahrzeugbau.

Interessierte Nachfragen gab es vor allem zu den „Idea Cafés“ von Stora Enso. Diese monatlichen, 20minütigen, offenen Meetings geben jedem Mitarbeiter die Möglichkeit, neue Ideen zu präsentieren. Auch wenn es nach Gerckes Einschätzung noch zu lange dauert, bis aus Ideen konkrete Projekte werden, haben sich die „Idea Cafés“ schon jetzt als wertvolle Quelle für Innovation bewiesen. Im Ideen-Management des Unternehmens geht dabei keine Idee verloren. Was nicht umsetzbar erscheint, wird katalogisiert und für eine eventuelle, zukünftige Nutzung vorgehalten.

Neue Wege im Vertrieb

Dr. Edgar Müller-Gensert | Sales Performance Practice Leader | FranklinCovey Leadership Institut GmbH
Dr. Edgar Müller-Gensert

Einen viel beachteten Einblick in grundlegende Fehler beim Verkauf und die Tücken des Vertriebstrainings sowie nachhaltige Rezepte für eine Optimierung gab Dr. Edgar Müller-Gensert, Sales Performance Practice Leader beim FranklinCovey Leadership Institut. Vorgestellt wurden u.a. Maßnahmen für eine klar gemanagte Pipeline mit definierten Zielkunden und effiziente Schulungswege, die nachhaltig wirken und hohen Fluktuation der Mitarbeiter entgegenwirken. Im Zentrum des Konzepts steht für Müller-Gensert der „Trusted Advisor“, dessen Fokus nicht mehr auf dem Verkaufen liegt, sondern darauf, den Kunden bei seinem Kauf zu unterstützen und ihn damit zum Erfolg zu verhelfen. In seinem Workshop am zweiten Kongresstag konnten sich die Kongressteilnehmer im Detail informieren und konkrete Tools abholen.

Roberto di Marco | Leitung Vertriebsinnendienst | Hans-Christian Eßer | Verkaufsleitung | Antalis Verpackungen GmbH
Roberto di Marco und Hans-Christian Eßer

Bunt und mehrstimmig wurde es beim Vortrag von Hans-Christian Eßer, Verkaufsleitung, und Roberto di Marco, Leitung Vertriebsinnendienst, der Antalis Verpackungen GmbH. Unter dem Motto „We pack you – darf es etwas persönlicher sein?“ zeigten Eßer und di Marco, Antalis als Unternehmen mit „polarisierender Positionierung für Partner, Lieferanten und Kunden“, das vom „Produktfokus zum Kundenversteher-Prinzip“ gewechselt ist. Beispielhaft für diese Philosophie, die nicht „B2B oder B2C“ in den Fokus stelle, sondern H2H (Human to Human), präsentierten Eßer und di Marco den jüngsten FachPack-Messeauftritt, der gänzlich ohne Exponate auskam.

Exkurs: Compliance

Dr. Martin Schmidt | Partner | Reimers Schmidt Rechtsanwälte
Dr. Martin Schmidt

Einen Exkurs zum Thema Compliance im Mittelstand nahm der Kongress mit dem Vortrag von Dr. Martin Schmidt, Partner bei Reimers Schmidt Rechtsanwälte. Dr. Schmidt zeigt auf, warum Compliance auch für KMU ein wichtiges Thema ist, das bei Nichtbeachtung sehr teuer werden kann. Beratungsbedarf bestünde vor allem auch im Bereich der „kontraintuitiven“ Themen. Formulierungen in Kundenschutzvereinbarungen von Subunternehmerverträgen oder Regularien im Personalbereich können laut Schmidt teure Fallstricke bergen. In seinem Workshop am zweiten Veranstaltungstag gab der Rechtsanwalt konkrete Hilfen und Tools zur Implementierung eines effizienten Compliance-Managementsystems.

Neue Wege in der Verpackungsentwicklung

Dipl. Wi.-Ing. Sohrab Mohammad | Geschäftsführer und Inhaber | Reishunger GmbH
Sohrab Mohammad

Ist Reis das uninnovativste Produkt der Welt? Eine Frage, die am Anfang der Reishunger GmbH stand, deren Werdegang Geschäftsführer und Inhaber Dipl. Wi.-Ing. Sohrab Mohammad vorstellte. Auf jeden Fall stellt Reis für Mohammad das in Form, Farbe und Geschmack vielfältigste Grundnahrungsmittel dar. Reishunger sieht der Gründer vor allem als Brand und erst in zweiter Linie als Onlineshop für Reis. Im Zentrum des Erfolgsrezepts stand von Anfang an die Verpackung, die frühzeitig und klar als Startpunkt aller weiteren Entwicklungen verankert wurde. Der ebenso schlicht wie auffällig gestaltete Papierbeutel dient als Impulsgeber. Er provoziert Erstkontakt, motiviert zum Erstkauf und ist danach für die Kundenbindung verantwortlich. Ein Erfolg mit 0 Euro Marketingbudget, wie Mohammad hervorhob.

Henno Hensen | Geschäftsführer und Inhaber | Hensen Consult
Henno Hensen

Der Standbodenbeutel gestern – heute – morgen. Henno Hensen, Geschäftsführer und Inhaber von Hensen Consult nahm seinen Vortragstitel beim Wort und warf einen ebenso detailreichen wie tiefgehenden Blick auf den Doypack. Chancen und neue Möglichkeiten für den Standbodenbeutel sieht Hensen zum Beispiel durch die optimierte Handhabbarkeit für Konsumenten und konveniente Verschlüsse mit funktionaler Barrierewirkung. Neue Chancen eröffneten sich aber auch über das neue HPP Verfahren (High Pressure Preservation) für Lebensmittel oder durch die perfekten, dichten und kleinen Schweißnähte der Ultraschall-Maschinentechnologie. Auch in ökologischer Hinsicht kann der Doypack nach Hensens Meinung punkten. Als „Monomaterial-Standbeutel“ mit einer Barriere aus Polypropylen auf Polyolefin-Basis wird die neuartige Verbundfolie werkstofflich recycelbar.

Glänzende Zukunft

Dr. Pero Mićić | Vorstand | FutureManagementGroup AG
Dr. Pero Mićić

Den Schlussstein der Vortragsreihe bildete der ebenso unterhaltsame wie spannende Vortrag zum Thema Zukunfts-Management von Dr. Pero Mićić, Vorstand der FutureManagementGroup. Der „Zukunftsmanager unter den Zukunftsexperten“ zeigte anschaulich typische Fallstricke, gängige Fehler und scheinbare Grenzen des Menschen im Umgang mit seiner Zukunft auf. Was gleichermaßen für den Privatmenschen wie für den Unternehmenslenker gilt: „Erst wenn man Zukunftswissen in früh erkannte Chancen in Zukunftsmärkten und solide Zukunftsstrategien umsetzen kann, hat man wirklich etwas davon. Zukunftswissen ist nur dann relevant, wenn es in der Gegenwart einen Nutzen bietet, weil man etwas besser entscheidet, einschätzt oder tut.“ Vom Zeitverständnis der Jäger und Sammler über die oft unbekannte Rolle des Dopamin und die herausfordernde Geschwindigkeit der digitalen Transformation bis hin zur Zukunftsbrille in fünf Farben: Pero Mićić sezierte die Zukunft und unseren Zukunftsmanagement mit großem Vergnügen und hohem Nutzwert für die Kongressteilnehmer.

Abendveranstaltung

Abendveranstaltung
Abendveranstaltung Deutscher Verpackungskongress 2017

Die Abendveranstaltung für Kongressteilnehmer und Begleiter fand in den Eventräumen des Berliner Aquariums statt. Umgeben von einer bunten Unterwasserwelt, unterhalten von Show-Acts und versorgt mit Speisen und Getränken, bot die Abendveranstaltung viel Raum und Zeit für Gespräche mit neuen und alten Kontakten.

Workshops

Dr. Daniel Bornemann | Partner | Simon-Kucher & Partner
Dr. Daniel Bornemann

Die gut besuchten Workshops boten den Kongressteilnehmern die Möglichkeit, zwei von drei ausgesuchten Themen zu vertiefen und Tools für die Praxis abzuholen. Neben den bereits erwähnten Themen „Kunden zum Erfolg verhelfen – Win-Win Situationen erzeugen“ und „Compliance im Mittelstand – eine praktische Orientierungshilfe“ bot das dvi auch den Workshop „Pricing auf den Kopf gestellt?“ an. Dr. Daniel Bornemann, Partner bei Simon-Kucher & Partner thematisierte dort die aktuellen Trends im Pricing in der Verpackungsindustrie, Wege aus der Commodity Falle, erfolgreiches Verkaufen von Mehrwert, den optimalen Umgang mit Tendern und den besten Einsatz von Services zur Ertragssteigerung.

Dank an die Sponsoren

Wir bedanken uns bei den Sponsoren des Deutschen Verpackungskongresses 2017

Mitsubishi Electric

Invest in MV

Stora Enso

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